Rezension

In Boston? – Russell H. Greenan

20. November 2016
in-boston
Ehrlich! Ich habe noch nie ein Buch gelesen über welches so wenig im deutschsprachigen Internet zu finden war. Und doch wird es in den Artikeln die ich finden konnte als absolutes Kultbuch aus den USA betitelt! – Wie kann das sein? Ein moderner Klassiker den Deutschland verpasst hat?
Erscheinungsdatum: 1968 | Verlag: Schirmer Graf Preis: € 9,90 [D] (z.B. Amazon) | ISBN: 978-386-5-55045-3 | Seiten: 384 Seiten | Sprache: Deutsch (übersetzt von Pociao)

 

Und Lisabeta? Ah! Ein Gesicht aus der Vergangenheit. Ein wunderwolles Gesicht! S. 146

INHALT

Der Maler Alfred Omega braucht nur eine Bank im Public Garden von Boston, um in Gedanken in die Geschichte zu reisen. Er ist mit einer Genialität versehen, die in ihm den Wunsch wachsen lässt, sich mit Gott zu messen. Um dieses Ziel zu erreichen, schreckt er in seinem Wahnsinn vor nichts zurück… (Klappentext – Diogenes)

MEINUNG

Zu Beginn war ich mir nicht sicher was ich mit der Geschichte anfangen sollte. Die Charaktere waren zu Beginn sehr schwammig, zwar wurden sie alle gut gezeichnet, aber ich konnte sie nicht greifen. Dazu kam dass ich keine Ahnung hatte wo die Erzählung hinführen würde.

Mir war auch das Genre nicht ganz klar – amerikanischer Realismus – aber was genau erwartet einen?

Der Schreibstil ist zu Beginn ein wenig anstrengend zu lesen, wenn man „normale Unterhaltungsliteratur“ gewöhnt ist – nach ein paar Seiten war ich im Fluss und flog tatsächlich nur so über die Zeilen. Geschrieben aus der Ich-Perspektive, berichtet Alfred Omega was in Boston geschah.

Ich werde nicht versuchen, mit Worten zu beschreiben was sich nur mit der Spitze des Pinsels wiedergeben lässt. S. 146

Das Zitat trifft einen Aspekt des Buches besonders gut. Trotz eher mäßigem Wissen über die Künste entwickelt man während dem Lesen tatsächlich eine gewisse Affinität zur Kunst. Omega selbst ich eine sehr unterhaltsame Person, Künstler-Klischee trifft auf selbstbewussten Mensch von Welt.

Im Laufe der Jahre veränderten sich meine Ansichten. Es wurde zunehmend schwierig, das, was ich sah und erlebte, mit diesen kindlichen Überzeugungen in Einklang zu bringen. S. 191

Doch nicht nur die Kunst spielt eine große Rolle, Omega hat ein Problem mit Gott, und zwar ein verdammt großes. Er findet Gott macht seinen Job nicht anständig. Hier kommen wir zum nächsten Aspekt der Geschichte, Religion. Ohne sich auf einen Gott zu beschränken, sei es christlich oder jüdisch, Omega glaubt an Gott, aber nicht an eine Religion wie mir schein.

Nur der Künstler kann sich in puncto Intellekt und Empfindsamkeit mit Gott messen. S. 232

Am folgenden Tag entwickelte ich den Plan für einen Coup d’état gegen Gott. Was, wenn ich diesem Despoten das Zepter entrisse? S. 234

 

Was für eine Geschichte. Melancholisch aber erzählt mit einem gewissen Augenzwinkern. Ich will nicht verraten in welche Richtung das Buch gehen wird, denn ich bin so froh es unvorbereitet gelesen zu haben.

FAZIT

Auf diese Geschichte muss man sich einlassen, man muss rein kommen, aber wenn man mal den gewissen Punkt erreicht hat, hält dieses Buch ein wahres Feuerwerk der Erzählkunst bereit.

 

4 herzen

WEITERE REZENSIONEN

deutschlandfunk | perlentaucher

FRAGE

Anspruchsvolle Romane oder pure Unterhaltung oder beides?

Nadine

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply